Freitag, 13. Dezember 2013

Prüfen und Bewerten an Berufsfachschulen: Arten der Leistungsmessung



Guten Tag ihr Lieben

In meinem letzten Blog http://lbbp1314.blogspot.ch/2013/12/prufen-und-bewerten-berufsfachschulen.html bin ich auf die Gütekriterien von Prüfungen eingegangen. Hier möchte ich auf die Leistungsmessung eingehen, genauer auf die verschiedenen Arten von Leistungsmessungen. Die Grundlage dafür bildet wieder das Buch Unterrichten an Berufsfachschulen – Berufsmaturität von Claudio Caduff, Walter Mahler und Daniela Plüss aus dem Jahr 2009.

Unterschieden werden können Leistungsmessungen auf diverse Arten. Einerseits unterscheiden die Autoren zwischen summativen und formativen Tests respektive Evaluationen (Caduff et al 2009 S. 114). Unter summativen Tests sind die uns allen bekannten Prüfungen im klassischen Sinn zu verstehen. Diese beurteilen im Nachhinein (retrospektiv) das von den SuS gelernte. Formative Tests haben dagegen eher einen vorausblickenden (prospektiven) Charakter. Die Autoren sprechen an dieser Stelle von Lernkontrollen (ebd.).

Eine andere Unterteilung ist diejenige in mündliche und schriftliche Prüfungen. Letztere „bestehen vorwiegend aus Bearbeitungsaufgaben, die vor allem Kenntnisse und Fertigkeiten testen“ (a.a.O., S. 123). Bei einer mündlichen Prüfung wird der Fokus ebenfalls auf Kenntnisse und Fertigkeiten gelegt. Zusätzlich wird aber auch das Verhalten während der Prüfung beachtet. Unterschieden werden kann bei mündlichen Prüfungen zwischen klassischen Frage-Antwort Prüfungen, einer Präsentation, einem Dialog respektive einer Diskussion und dem Stellen einer Problemfrage (ebd.).

Um den Anforderungen des Neuen Rahmenlehrplans für die Berufsmaturitätsschulen (http://www.sbfi.admin.ch/themen/01366/01379/01571/index.html?lang=de&download=NHzLpZeg7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCDfX94g2ym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A--) gerecht zu werden muss das Verständnis von Leistung zuerst einmal erweitert werden (a.a.O., S. 127). Die Autoren plädieren dabei für die Anerkennung von Prozessleistungen, für einen dynamischen Leistungsbegriff, für die Beteiligung der Lernenden und der Betrachtung der Leistungen an sich. Auch sollen Methodenkenntnisse und der Aufwand mit berücksichtigt werden.

Eine Art der Leistungsmessung, die mich persönlich aufgrund der kreativen Möglichkeiten, der Eigenverantwortung und der Handlungsorientierung besonders interessant dünkt ist die Portfolioarbeit. Dazu mache ich in der Fachdidaktik Pädagogik/Psychologie eine Vertiefung. Mit dem Thema Leistungsmessung generell werde ich mich in der Fachdidaktik Geschichte ebenfalls nochmals auseinandersetzen.

Schlussendlich denke ich, dass sich für mich in der Praxis die für mich und meine SuS ideal Lösung einer Leistungsmessung finden wird. Ich bin jedoch sehr froh darum, bereits jetzt einen theoretischen Background darüber zu besitzen und meine nächsten Prüfungen reflektierten zu erstellen.

Lg
S*

4 Kommentare:

  1. Lieber S*
    Ich habe bisher noch keine Schülerleistung gesprüft oder bewertet und bin gespannt, wie ich das im Erfahrungspraktikum meistern werde ;)
    Im BUA bei Peter Heiniger haben wir ausserdem noch die 4 Bezugsnormen der Bewertung kennen gelernt:

    Kriterienorientierte Bezugsnorm: Lineare Bewertung mti einem Notenmassstab
    Statistische Bezugsnorm: Die Leistungen werden normalverteilt
    Soziale Bezugsnorm: Die Leistung des Einzelnen wird nach dem Verhältnis zur Leistung einer Gruppe beurteilt.
    Persönliche Bezugsnorm: individueller Lernzuwachs eines einzelnen Schülers wird beurteilt. (Vorher wird mit Nachher verglichen)

    Mich würde interessieren, welche Bezugsnorm dir am ehesten entspricht ;)

    AntwortenLöschen
  2. Hi Caroline

    Ein gutes neues Jahr, du bist ja schon früh im 2014 sehr fliessig. Vielen Dank für deinen Beitrag.

    Ich persönlich habe bereits einige Prüfungen abgenommen. Für mich hat sich als ganz praktikabel die soziale Bezugsnorm, aber auch wenn immer möglich die persönliche Bezugsnorm als eigentlich Ideal erwiesen. Ideal weil wir an der Schule vorgaben haben und in der gesamten Fachschaft die Bewertung linear per Notenmasstab erfolg. Aber immer wenn möglich (Portfolioarbeit, Referate, ...) versuche ich, andere Bezugsnormen einfliessen zulassen.

    Liebe Grüsse
    S*

    AntwortenLöschen
  3. Hallo S*

    Vielen Dank für deinen Blogeintrag. Für mich ist er sehr wertvoll, da ich in meinem ersten Erfahrungspraktikum ebenfalls den Bereich "Beurteilung" näher unter die Lupe nehmen werde.
    Ich habe eine Frage bezüglich den formativen bzw. vorausblickenden Tests. Kann dies so verstanden werden, dass der Test zur Abfragung des aktuellen Wissensstandes bzw. des Vorwissens der Schülerinnen und Schüler dient? Würdest du bei solchen Lernkontrollen keine Note setzen? Diese Art von Tests werden wahrscheinlich oft überraschend für die Lernenden ausfallen. Dabei sollten sie nicht abgeschreckt oder verunsichert werden, sondern es soll mir als Lehrperson für die Unterrichtsvorbereitung helfen. Denn durch einen solchen Test kann ich angepasster auf den Lernstand der Schülerinnen und Schüler eingehen. Ich kann erkennen wie gross oder klein die Heterogenität in der Klasse ist und dementsprechend meinen zukünftigen Unterricht gestalten. Mein Fazit: Bei solchen vorausblickenden Tests würde ich keine Noten vergeben. Was ist deine Meinung dazu?

    Liebe Grüsse
    Maria

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Sandro

    Leistungsmessung ist ein Thema, dass mich im Verlaufe meines ersten Praktikums als Sportlehrer an der Kantonsschule Frauenfeld beschäftigt hat. Um ehrlich zu sein, hat es mich während des ganzen Praktikums immer auf Trab gehalten. Da ich vor diesem Praktikum noch gar keine Ahnung hatte, was alles bei der Erstellung eines Leistungstests zu beachten ist, kostete mich dies einiges an Zeit. Normalerweise wird im Sportunterricht, um die Begriffe, die Caroline ins Spiel gebracht hat, aufzunehmen, eine kriterienorientierte und eine soziale Bezugsnorm verwendet. Dies versuchte ich dann auch zu machen, jedoch wollte ich auch, dass die Schüler, welche Einsatz zeigen und sich wirklich bemühen, jedoch leistungsmässig nicht sehr gut sind, doch noch eine Chance auf eine genügende Note haben. Dies stellte sich doch als ziemlich schwierig heraus, da es bei fast allen Sportprüfungen nun mal um die Leistung geht, die gezeigt wird. Vor allem bei Leichtathletiktests oder beim Geräteturnen ist es daher schwierig das Engagement noch in die Note miteinfliessen zu lassen, wohingegen bei Spielprüfungen das Engagement sehr wohl eines der Bewertungskriterien darstellen kann. Bis ich mich bei den einzelnen Sportarten für eine Bewertungsmethode entschieden habe, sind jeweils einige Stunden vergangen. Ich bin mir aber sicher, dass dies in meiner beruflichen Zukunft, nachdem ich einige Erfahrungen gesammelt habe, nicht mehr soviel Zeit in Anspruch nehmen wird. Ausserdem habe ich später als Sportlehrer, bei meinen eigenen Klassen, auch immer die Möglichkeit eine Engagementnote in die Gesamtnote miteinfliessen zu lassen, was es mir wohl erleichtern wird bei den einzelnen Leistungstests, Noten zu verteilen, die sich vor allem aus Leistungskriterien ergeben.

    Ich hoffe, du hast bei deinen Praktika nicht mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie ich. :-)

    Gruss Manuel

    AntwortenLöschen